Dom-Sub-Beziehungen

Seit ich wieder etwas mehr in die Richtung einer Beziehung gehe, die eher einem Dom-Sub-Verhältnis entspricht, stoße ich immer wieder auf die Frage von Subs, woran sie erkennen, dass ein Dom zu ihnen passt bzw. ein „echter Dom“ ist.

Viele Mythen ranken sich um den „perfekten Dom“ und mit vielen davon musste ich mich bereits früh auseinandersetzen. Dabei ist gar nichts mythisches darin ein Dom zu sein. Um dies aufzuzeigen möchte ich hier darstellen, worin sich ein Dom prinzipiell auszeichnen sollte, damit man nicht an jemanden gerät, der ausschliesslich seine fehlenden Stärken durch Machtgehabe ausgleichen will.

  1. Ein Dom dominiert nicht durch Gewalt. Er hat dies einfach nicht nötig. Er kennt deine persönlichen Trigger und die Anatomie und Psyche seines Gegenüber gut genug um Gewalt nicht nötig zu haben. Oft genug reicht seine Ausstrahlung bereits, damit du dich ihm unterordnest und ihm gehören willst. Ausserdem reichen bei einem Dom im Normalfall bereits einfache Berührungen oder gar nur Worte, damit du dich ihm unterordnest und hingibst. Gewalt ist in einer gesunden Dom-Sub-Beziehung weder hilfreich noch notwendig.
  2. Dominanz entsteht nicht aus Erniedrigung. Hier muss ich allerdings auch mal eine Lanze für die Master brechen. Tatsache ist nämlich, dass nur wenige Frauen tatsächlich als Sub „geeignet“ sind. Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass in heutiger Zeit nur wenige Frauen bereit sind sich einem Mann vollkommen hinzugeben, was vermutlich mit dem veränderten Rollenbild in unserer Gesellschaft zu tun hat. Frauen, die diese Bereitschaft nicht mitbringen, empfinden das Unterordnen unter einen Dom oft als Erniedrigung oder kommen mit der Wehrlosigkeit, in die sie sich begeben, nicht zurecht. Hier ist natürlich auch der Dom gefragt ein solches Gefühl nicht zu vermitteln. Doch Vorsicht! Die Grenze zwischen Dominanz und Erniedrigung ist ein sehr schmaler Grat. Daher gelingt das nicht immer. So oder so sollte dir dein Master niemals das Gefühl geben, dass du dich ihm gegenüber erniedrigst. Kommt bei dir dieses Gefühl auf, ist es entweder kein Dom fuer dich oder du, als Sub, solltest nochmal darüber nachdenken, ob deine Vorstellungen einer Dom-Sub-Beziehung in der Realität umsetzbar sind. Denn Dominanz seitens des Dom gehört nunmal dazu. Sagt ja schon die Bezeichnung.
  3. Ein Dom sieht deine Bedürfnisse. Leider habe ich allzu oft erlebt, dass Subs der Meinung sind, dass sie sich in jeglicher Hinsicht unterordnen müssen. Das ist erstmal nicht grundsätzlich verkehrt. Dennoch macht meines Erachtens einen guten Master auch aus, dass er deine Bedürfnisse wahrnimmt und sie erfüllt. Nein, nicht versucht zu erfüllen, sondern erfüllt. Setzt sich ein Dom prinzipiell über deine Bedürfnisse hinweg und ist nur auf sich selbst bedacht, ist er ganz sicher noch nicht soweit seine Partnerin oder seinen Partner „zu meistern“. Denn… siehe der nächste Punkt.
  4. Dein Master erfreut sich an deiner Lust und deinem Wohlsein. Ich denke, gerade Menschen, die gerade ihre ersten Schritte in einem Dom-Sub-Beziehung machen, ist dies oft noch nicht klar. Als Sub solltest du aber immer das Gefühl haben, dass dein Dom sich an dir erfreut. Er erfreut sich an deinem Anblick genauso wie daran, dich zu berühren und erst Recht, wenn er deine Bedürfnisse erfüllen kann. Es geht eben nicht nur darum, dass du (als Sub) seine Bedürfnisse befriedigst, sondern auch darum, dass dabei auch deine eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen.
  5. Ein Master bekommt sein Leben auf die Reihe. Dies ist vor allem ein wichtiger Punkt, wenn du auf der Suche nach einem Dom bist. Hierbei ist das „auf die Reihe“-Bekommen ein recht weitläufiger Begriff. Zum einen ist damit natürlich die „Erdung“, also die Verankerung in der Realität, gemeint. Jemand, der seit Jahren von HartzIV lebt, ständig dem Alkohol verfällt oder seine Familie vernachlässigt um sich sinnlichen Freuden oder Müßiggang hinzugeben, kann kaum ein guter Dom sein, weil er sich selbst ja kaum unter Kontrolle hat. Wie also sollte er der hohen Verantwortung eines Dom gerecht werden können? Zum anderen bekommt man in meinen Augen sein Leben auch dann nicht auf die Reihe, wenn man mit seinen Lebensumständen unglücklich ist. Wer ständig über seinen Job meckert oder ständige Unzufriedenheit mit seinen Lebensumständen zur Schau trägt, hat offenbar wenig Kontrolle über sein Leben. Jemand, der sein eigenes Leben kontrolliert, der verweilt nicht lange in Situationen, die ihm nicht behagen oder gar Nachteile bringen. Und wer sein Leben nicht kontrolliert, der kann auch schlecht einen Sub kontrollieren. So zumindest meine Ansicht. Daher übernimmt ein Meister immer die volle Verantwortung für sein Handeln, was nunmal bedeutet, dass er sich nicht über die Konsequenzen seines Handelns beschwert sondern diese hinnimmt oder entsprechend auf sie einwirkt, damit sie sich wieder ändern.
  6. Es muss einfach stimmen. Leider ist auch das ein Punkt, der gern vernachlässigt wird, wenn Subs sich einen Dom suchen. Jede Dom-Sub-Beziehung ist unterschiedlich. Ich kenne Beziehungen, in denen die Rollen immer klar verteilt sind (das ist die vermutlich häufigste Form), doch ich kenne gleichermassen Beziehungen, in denen die Rollen auch immer mal wieder wechseln, was durchaus für manche eher Erfüllung bringt. Ob das dann noch eine Dom-Sub-Beziehung ist, möge an einer anderen Stelle diskutiert werden. Auch eure Bedürfnisse müssen zusammenpassen. Das beginnt bereits dabei, dass dein Dom dein Äußeres ansprechend finden muss und endet nicht zuletzt dabei, dass eure sexuellen und emotionalen Bedürfnisse zueinander passen müssen. Wenn dein Dom immer will, dass du nur (halb)nackt in seiner Gegenwart bist, du aber gern auch mal mit einem schönen Kleid vor ihm glänzen möchtest, werden sich eure Bedürfnisse kaum begegnen können. Gleiches gilt natürlich auch im sexuellen Bereich. Kümmert sich dein Dom immer nur um deinen Hintern und du wartest derweil vergeblich darauf, dass er auch mal deinem Bauch oder deinen Brüsten Beachtung schenkt, werden deine Bedürfnisse unbefriedigt bleiben. Und das wiederum wird auf Dauer eine Leere in dir erzeugen, die gefüllt werden will. Nicht zuletzt, und in meinen Augen ist es sogar das Wichtigste, sollte die emotionale Beziehung stimmen. Auch das ist natürlich ein breites Spektrum, das dabei eine Rolle spielt. Meine Erfahrung bisher zeigt, dass eine wirklich innige Verbindung zwischen Dom und Sub vor allem dann entsteht, wenn die Bedürfnisse des Gegenueber erfühlt (nicht nur erfüllt) werden. Dazu muss man sich ineinander einfühlen können, die Situation einschätzen können und vieles mehr. Erreicht man diesen Punkt in einer Master-Sub-Beziehung, beginnt die eigentliche Erfüllung für beide Seiten. Denn dann bedarf es keiner Worte mehr, wenn der Sub Nähe und Ruhe braucht und am liebsten einfach nur auf dem Schoss des Doms liegen will oder umgekehrt. Es geschieht einfach, weil man nur seinen Gefühlen für sein Gegenüber folgen muss. Gibt es diese Form von emotionaler Nähe nicht, so zeigt zumindest meine Erfahrung, hat die Beziehung kaum Bestand. Sie wird irgendwann zerbrechen, wenn ein Partner jemanden findet, der eher auf der gleichen emotionalen Ebene ist.
  7. DU BIST KEIN SKLAVE! Ja, das muss besonders gross geschrieben werden. Gerade junge Menschen, die in eine Sub-Position gehen, machen sich dies allzu selten bewusst. Du musst dich nicht „zufrieden geben“ oder in jeglicher Hinsicht unterordnen. Ein „guter“ Dom wird immer deine Stärken fördern, dich im Leben unterstützen, versuchen dich an deine Grenzen zu bringen, ohne diese zu brechen, und vor allem wird er dich immer als Geschenk ansehen. Du hast das Recht aufzubegehren, wenn es dafür gute Gründe gibt. Du hast ein Recht darauf, dass deine Bedürfnisse für deinen Dom mindestens genauso wichtig sind wie seine eigenen. Du hast ein Recht darauf von deinem Dom verehrt zu werden, denn deine Hingabe für ihn, ist es das mindestens wert.

Natürlich gibt es keine ideale Dom-Sub-Beziehung. Das wäre irgendwie auch schade, weil damit ja die Vielfalt verloren ginge, die in dieser Form von Beziehung liegt. Doch wage ich zu behaupten, dass es 4 Grundpfeiler für jede Dom-Sub-Beziehung gibt:

  • Zuneigung/Liebe
  • Anziehung/Attraktivitaet
  • Respekt
  • Wertschätzung

Wird einer dieser Grundpfeiler nicht ausreichend durch eine solche Beziehung bedient, hat sie entweder ungesunde Auswirkungen auf einen der beiden Partner oder zerbricht recht schnell, je nach Stärke bzw. Schwäche des Subs.

Auch das ist etwas, was sich leider viel zu wenige Subs bewusst machen. Auch wenn dein Dom dich kontrolliert, bist du immer in einer Position der Stärke. Denn dein Dom braucht dich genau so, wie du ihn brauchst. Da du als Sub einmalig bist, kannst du eben nicht einfach ersetzt werden. Selbst wenn irgendwann jemand die Zuneigung deines Doms gewinnt und du dadurch nicht mehr Teil seines Lebens bist, wird er sich immer wieder aufgrund deiner Einmaligkeit an dich erinnern. Ein Master ist sich dessen immer bewusst.

Daher solltest du folgendes immer empfinden, wenn du bei deinem Dom bist:

  • Deine Gegenwart und erst recht deine Hingabe sind ein Geschenk für deinen Dom. Er ehrt dies und wird es niemals als selbstverständlich hinnehmen, es als zu viel empfinden oder ähnliches.
  • Es bereitet ihm Freude, wenn er dir Freude bereiten kann… und zwar in jeglicher Hinsicht.
  • Du bist NIEMALS eine Belastung für ihn. Deine Gegenwart ist immer eine Freude für ihn.
  • Du wirst niemals erniedrigt. Ein Meister kontrolliert dich, aber er erniedrigt dich nicht.
  • Du wirst zu nichts gezwungen. Ein Meister weiss, wie er dich dazu bringt dich für neue Erfahrungen zu öffnen, ohne dich dazu zwingen zu müssen.

Ich möchte aber abschliessend nochmal betonen, dass eine Dom-Sub-Beziehung nur dann funktioniert, wenn ihr zueinander passt. Es macht wenig Sinn, wenn du dir krampfhaft einredest, dass du in einer Dom-Sub-Beziehung glücklich sein wirst, wenn du die Mentalität einer/eines Sub nicht mitbringst. Gleichermaßen macht es wenig Sinn Dom für eine/einen Sub sein zu wollen, wenn dir die Mentalität dazu fehlt. Also überlegt euch bitte vorher ganz genau, ob diese Art einer Beziehung wirklich eurem Wesen entspricht. Wenn ihr unsicher seid, ob diese Art des Seins euch entspricht, dann sprecht dies an, damit es unverbindlich ausprobiert werden kann. Auch Doms haben Gefühle, die tief verletzt werden können, wenn man ihnen ihr Geschenk wieder wegnimmt, weil man nicht mit dieser Form von Beziehung klarkommt.

Und zu guter Letzt noch ein paar Worte an angehende Doms, also jene, die sich in diesem Bereich gerade ausprobieren. Versucht nicht Frauen zu finden, die euch bedingungslos gehorchen. Ihr werdet damit nicht glücklich. Eine gute Sub zeichnet sich dadurch aus, dass sie ganz nach ihrem Willen lebt. Wenn sie sich euch hingibt, dann tut sie dies aus ihrem freien Willen heraus. Es ist ein Geschenk an euch, das ihr als solches ehren solltet. Subs sind nicht schwach sondern ganz im Gegenteil im Normalfall sogar sehr stark. Versucht nicht Frauen zu Subs zu machen, die dafür nicht bereit sind. Zu viele Frauen auf dieser Welt wurden bereits zu tief verletzt um bedingungslos einem Mann vertrauen zu können. Eine Sub muss aber bedingungslos vertrauen können. Ihr könnt versuchen dieses Vertrauen aufzubauen, doch sage ich euch gleich, dass dies nicht immer möglich ist. Manche seelische Wunden sind einfach zu tief um sie heilen zu können. Es ist daher eine große Ehre, wenn ihr das Vertrauen einer Frau soweit gewinnen könnt, dass sie euch das notwendige Vertrauen zum Geschenk macht. Gebt eurer Sub NIEMALS das Gefühl selbstverständlich zu sein. Das ist erniedrigend und keine Frau auf dieser Welt hat es verdient als selbstverständlich gesehen zu werden. Jede von ihnen – und erst recht jene, die sich euch hingeben – ist unendlich wertvoll. Vergesst das nie. Ein Dom-Sub-Verhältnis ist immer etwas ganz Besonderes.

3 Antworten auf „Dom-Sub-Beziehungen“

  1. Okey wow das hat mich umgehauen ☺️

    Bin beeindruckt das jemand versteht wie ich mich als Sub fühle

    Und was man gern möchte

    Auch hab ich nun eine bessere Ansehen gegenüber einem Dom

    Danke viel mal

  2. Ich bin selber ein Dom deine Beschreibung passt genau immer Respekt und Achtung vor Frauen zu haben das macht einen guten Dom aus

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