Autismus

Heute ist Welt-Autismus-Tag. Noch immer werden Autisten in unserer Gesellschaft als krank angesehen. Dabei zeigen neueste Forschungen, dass es sich dabei lediglich um eine andere neurologische Ausprägung des menschlichen Seins handelt. Entsprechend unnötig sind auch Therapien gegen Autismus, die zumeist versuchen mittels Konditionierung die Handlungsweisen der Autisten zu verändern. Als Folge bringen sie zwar einen Autisten hervor, der im Sinne des gesellschaftlichen Konsens funktioniert, oft jedoch verursachen diese Therapien im Laufe des Lebens des Betroffenen weitere Probleme. Diese zeigen sich in Form von Depressionen oder anderen echten psychischen Erkrankungen und gehen zum Teil sogar bis zum Selbstmord des erwachsenen Autisten, weil dieser sich entgegen seiner eigenen Natur verhalten muss und Kompensationsmechanismen verlernt hat.

Doch was macht Autisten eigentlich aus? Zuerstmal erkennt man Autisten vor allem daran, dass sie Kompensationshandlungen durchführen, wenn sie mit bestimmten Barrieren konfrontiert werden. Diese Barrieren können zu laute oder bestimmte Geräusche sein oder auch bestimmte Muster auf Oberflächen, Reflexionen oder die Bodenbeschaffenheit. Der White Unicorn e.V. hat insgesamt 27 Barrieren identifiziert, von denen Autisten betroffen sein können. Diese Barrieren können durchaus auch bei Nicht-Autisten auftreten, führen bei diesen aber normalerweise nicht dazu, dass Kompensationshandlungen durchgeführt werden oder gar die Funktionalität des Körpers beeinträchtigt wird, wie es bei Autisten oft der Fall ist.

„Wenn man nun aber gegen Therapien argumentiert, wie soll man dann Autismus behandeln?“, wird sich der ein oder andere vielleicht fragen. Die Antwort ist ganz einfach: Gar nicht! Autismus muss nicht behandelt werden. Ich kann ja einen Menschen ohne Beine auch nicht behandeln sondern muss ihm Hilfsmittel zur Verfügung stellen, damit er mit seinen Barrieren umgehen kann. Und genau das funktioniert auch bei Autisten. Denn sie sind nicht behindert, sie werden durch die Barrieren behindert. Vermeidet man die Barrieren, sind auch keine Kompensationshandlungen notwendig und es kommt auch nicht zum „Overload“, bei dem die Autisten ggf. überreagieren oder zusammenbrechen.

Daher möchte ich heute zum Welt-Autismus-Tag dafür plädieren, mit mehr Rücksicht auf Autisten zu reagieren und ein paar Vorurteile beiseite zu legen.

Wer mehr über Autismus erfahren möchte, der kann sich mal das Interview von Dr. Mark Benecke und Stephanie Fuhrmann, der Vereinsvorsitzenden des White Unicorn e.V., anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=K1h6bWr1_Qs

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