Theoten

Neue Blickwinkel …

Ich finde es immer wieder spannend, wie die Sichtweisen anderer Menschen den eigenen Blickwinkel auf bestimmte Themen verändern können. Mir ist das gestern wieder einmal sehr bewusst geworden, als ich eine Doku über Formel 1 gesehen habe. Eigentlich interessierte mich dieser Sport bisher absolut gar nicht, was aber offenbar nur daran lag, dass mir der Einblick in die Herausforderungen, denen sich die Teams stellen müssen, fehlte. Jetzt, da ich weiß, was hinter den Kulissen abgeht, hat sich meine Sicht darauf verändert und ich spiele mit dem Gedanken, mir tatsächlich mal eine Saison anzusehen.

Rückblickend muss ich aber auch feststellen, dass ich bereits in meiner Kindheit die Blickwinkel anderer aktiv nutzte, um ein Interesse für Themen aufzubauen. Ich unterhielt mich zum Beispiel mit einem Paläontologen, um den trockenen Stoff der Evolutionstheorie besser zu verstehen und dabei entwickelte ich eine echte Begeisterung dafür. Ich besuchte Vorlesungen an Unis und unterhielt mich mit den Professoren um deren Themen zu verinnerlichen und auch dabei entwickelte sich häufig echtes Interesse für deren Themen.

Insgesamt kann ich daher feststellen, dass die Begeisterung anderer einen selbst dazu bringen kann Interesse für Themen zu entwickeln. Denn die Begeisterung verschiebt den eigenen Blickwinkel und lässt einen interessante Aspekte entdecken, die man vorher nicht wahrgenommen hat. Somit können andere Blickwinkel uns dazu bringen uns für Dinge zu begeistern, denen wir mit unserer eigenen eingeschränkten Sicht nichts abgewinnen könnten. Erst die Erweiterung unseres Blickwinkels öffnet neue Horizonte. Daran sollten wir immer denken, wenn wir uns mal wieder durch vermeintlich langweiligen und trockenen Lernstoff quälen.

Sucht euch also jemanden, den das Thema, durch das ihr euch gerade quält, wirklich interessiert, und lasst euch von seiner Begeisterung anstecken. Ihr werdet sehen, dass das vermeintlich langweilige Thema plötzlich interessanter wird. Und vielleicht entwickelt sich daraus sogar ein neues Hobby.

Spinnen…

Ich liebe Spinnen. Nicht nur die exotischen, wie meine Vogelspinnen, sondern auch die einheimischen Arten. Lange Zeit lebte ich sogar in einem Zimmer, in dem ich aus Prinzip keine Spinnennetze entfernte.

Bei meinem Auszug stellte sich dann heraus, dass ich zusammen mit etwa zwei Dutzend Spinnen dort lebte. Die meisten waren die typischen Zitterspinnen, aber auch 2 Winkelspinnen – das sind die großen Braunen – fanden sich unter einem Schrank. Im Sommer, wenn ich das Fenster offen hatte, besuchten mich auch immer wieder einige Krabbeltiere aus dem Garten. So hüpfte auch schonmal eine Springspinne über meine Tastatur und eine Kreuzspinne erholte sich an meiner Wand. Der Vorteil dadurch: Mücken gab es in meinem Zimmer maximal für wenige Minuten, bis sie plötzlich spurlos verschwanden.

In meiner neuen Wohnung gibt es leider keine Spinnen, von meinen 3 Vogelspinnen mal abgesehen. Umso häufiger schaue ich bei ihnen vorbei, auch wenn sie nach dem Umzug noch etwas zurückgezogen sind.

Mein Liebling ist eine Pterinochilus murinus, auch bekannt als Rote Usambara-Vogelspinne. Sie ist unheimlich schnell und ihr Gift ist relativ potent, so dass Bisse von ihr durchaus äußerst schmerzhaft werden können und aufgrund der muskelverkrampfenden Wirkung auch eine gewisse Gefahr beinhalten. Entsprechend vorsichtig muss man mit ihr umgehen. Viele Halter dieser Art berichten darüber, dass sie auch äußerst aggressiv ist, was bei meiner glücklicherweise nicht der Fall ist. Wenn sie gestört wird, zieht sie sich eher schnell in ihren Bau zurück.

Pterinochilus murinus

Meine zweite Vogelspinne ist eine Ceratogyrus darlingi, auch als Hornvogelspinne bekannt, da sie auf ihrem Panzer ein kleines Horn hat. War sie anfangs kaum zu sehen und schaute höchstens mal mit dem Vorderbeinen aus ihrem Bau heraus, wird sie mittlerweile richtig aktiv und hat in einer Ecke ihres Terrariums ein richtiges Netz gesponnen, in dem sie häufiger sitzt. Sie ist unglaublich kräftig, was mich bei meinem ersten Kontakt mit ihr etwas erstaunte. Als ich sie nämlich das erste Mal fütterte, riss sie mir das Heimchen von meiner Pinzette und selbige dabei fast aus meiner Hand.

Ceratogyrus darlingi

Die entspannteste meiner Vogelspinnen ist auch gleichzeitig meine größte, eine Megaphobema robustum, die man auch als Kolumbianische Riesenvogelspinne kennt. Aktuell sitzt sie leider fast nur in ihrer Höhle, was sie vor meinem Umzug nicht tat. Da war sie ständig außerhalb ihres Baus unterwegs und erkundete das Terrarium. Wenn ich es öffnete und mir viel Zeit nahm, kam sie manchmal sogar vorsichtig heraus und krabbelte auf meinen Arm. Bisher habe ich sie noch nie hektisch erlebt. Selbst bei der Jagd krabbelt sie nur langsam zu ihrer Beute und die einzige schnelle Bewegung ist, wenn sie dann zupackt. Fühlt sie sich doch mal gestört, krabbelt sie ganz gemächlich in ihre Höhle zurück, als wäre sie sich ihrer Größe und Kraft bewusst.

Megaphobema robustum

Mittlerweile ist auch mein Sohn vom „Spinnenfieber“ angesteckt und so habe ich ihm eine meiner Spinnen überlassen. Bei ihr handelt es sich um eine Brachypelma albopilosum, die man auch Kraushaar-Vogelspinne nennt. Sie ist definitiv die aktivste und ständig im Terrarium unterwegs, wodurch er natürlich auch immer was zu gucken hat. Dennoch ist sie auch relativ schreckhaft und zieht sich schnell zurück, wenn sie gestört wird.

Brachypelma albopilosum

Von ganz wenigen Arten abgesehen, sind Vogelspinnen allgemein sehr friedliche Tiere. Da Menschen nicht in ihr Beuteschema gehören, greifen sie nur selten an, wobei es durchaus einige baumbewohnende Arten gibt, die schon mal zubeissen, wenn sie gestört werden. Südamerikanische Arten schiessen aber üblicherweise erst mit den Brennhaaren auf ihrem Hinterteil, bevor sie einen Biss riskieren. Afrikanische Arten haben diese Brennhaare jedoch nicht, weswegen Bisse von ihnen durchaus auch mal unvermittelt kommen können. Dennoch sind Bisse dieser Tiere nie tödlich. Arten wie die B. albopilosum verursachen nicht mehr Schmerzen als ein Wespenstich. Und selbst bei der P. murinus enden Bisse nicht tödlich, solange man nach einem Biss unter ärztlicher Aufsicht bleibt. Das sollte man bei dieser Art auch tunlichst machen, denn die Muskelkrämpfe können sich durchaus auch auf Organe auswirken. Es gibt allerdings bisher keinen belegten Fall, bei dem ein gesunder Mensch, der nicht allergisch auf das Gift reagierte, an einem Biss verstorben ist. Allergiker müssen aber natürlich, wie auch bei Bienen oder Wespen, aufpassen.

Die Haltung von Vogelspinnen ist insgesamt ziemlich einfach. Ein relativ kleines Terrarium mit ausreichend Bodengrund und, je nach Art, einer Möglichkeit zum Klettern, reicht völlig aus. Gefüttert wird alle 1-2 Wochen mit Heimchen oder Heuschrecken, die man in jedem guten Zoofachhandel für ein paar Euro bekommen kann und deren Nachzucht auch nicht sonderlich schwierig ist. Aber vorsicht: Heimchen können ganz schön stinken. Die Luftfeuchtigkeit im Terrarium sollte man, vor allem bei südamerikanischen Arten, relativ hoch halten. Afrikanische Arten, die eher in Steppen und Savannen beheimatet sind, wollen es hingegen eher trocken und es reicht aus, wenn man die Ecke gegenüber von ihrem Bau feucht hält. Als Halter von Vogelspinnen sollte man sich aber immer bewusst machen, dass es keine Kuscheltiere sind. Auch wenn manche recht flauschig aussehen, bedeutet das Verlassen ihres Terrariums für sie oft Stress. Sie sind also eher Tiere, die man sich zulegt um ihr Verhalten zu beobachten. Und ganz ehrlich, so eine große Spinne auf der Jagd ist durchaus beeindruckend. Allerdings muss man manchmal auch damit leben, dass sich eine Spinne manchmal über mehrere Wochen hinweg nicht blicken lässt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie sich gerade häuten oder eine Art Winterruhe einlegen.

Doch auch wenn die Haltung recht einfach ist, sollte man sich über die Anforderungen der jeweiligen Arten gut informieren. Vor allem in der Häutungsphase gibt es einiges zu beachten. Dafür bieten sich entweder Halter-Stammtische an oder man tauscht sich auf entsprechenden Terraristrik-Messen mit Haltern aus oder man besucht eines der Foren im Internet, wo man Antworten auf Fragen, Tipps und Ratschläge von erfahrenen Haltern bekommen kann.